Let it go

Let it go

Der Essigkeller riecht nach Zeit. Nach Holz, nach dem Essig, der langsam verdunstet, nach den Jahrzehnten, die diese Fässer schon tragen. Wer durch die Reihen geht, versteht sofort, warum manche Essige anders schmecken als andere - und warum das nicht über Nacht passiert.

1999 wurde dieser Keller gebaut. Rund 1.500 Eichenfässer. Sechzehn verschiedene Sorten, die hier reifen. Österreichs größter Essig-Fasskeller.

Das Fass ist kein Behälter

Ein Edelstahltank hält den Essig frisch. Er verändert ihn nicht. Das Eichenfass tut etwas anderes: Es verändert ihn aktiv.

Durch die feinen Poren des Eichenholzes kommt Sauerstoff an den Essig. Die Essigbakterien arbeiten weiter, langsam, über Jahre. Tannine aus dem Eichenholz lösen sich, geben Struktur und eine spürbare Tiefe am Gaumen. Die Farbe entwickelt sich - von einem hellen, klaren Produkt zu einem tiefen Braun, das nur durch Zeit entsteht, nicht durch Zusätze. Aromen entstehen, die im Edelstahltank nicht möglich sind: eine feine Holznote, Komplexität, ein langer Abgang.

Das Fass ist kein passiver Behälter. Es ist ein aktiver Teil des Prozesses. Ein Werkzeug, das man nicht durch etwas Günstigeres ersetzen kann, ohne etwas Wesentliches zu verlieren.

Was bleibt

In 8 bis 10 Jahren Fassreifung verdunstet rund ein Drittel des Inhalts. Aus einem 225-Liter-Fass bleiben nach dieser Zeit ca. 153 Liter. Das klingt nach Verlust. Es ist das Gegenteil. Was verdunstet, ist Wasser. Was bleibt, ist Geschmack - konzentrierter, dichter, tiefer als am Anfang. Der Apfel Balsamessig nach zehn Jahren ist ein anderes Produkt als nach einem Jahr.

Nicht jeder Essig reift im Fass

Es wäre falsch zu sagen, dass alle unsere Essige diese Zeit im Eichenfass bekommen. Das stimmt nicht - und es wäre auch nicht der richtige Weg.

Unsere Klassiker, der Apfel Essig, der Weißwein Essig und der Rotwein Essig, verbringen mindestens zwei Jahre im Eichenfass. Das gibt ihnen Reife und eine runde Säurestruktur, ohne die Frucht zu überlagern. Die Kreativen, Fruchtessige wie der Himbeer Essig, reifen dagegen mindestens ein Jahr im Edelstahltank. Das ist eine bewusste Entscheidung: Diese Essige leben von der Unmittelbarkeit der Frucht. Das Fass würde nehmen, was sie ausmacht.